Heilungsprozesse

Der Körper verfügt über ein bewundernwertes Selbst-heilungs- und Regulations-System:

Wunden schließen sich, Zellen erneuern sich tagtäglich, wir verfügen über eine "körpereigene Apotheke", ein Schmerz-abwehrsystem mit körpereigenen Opioden und Glücks-hormonen u.v.m. (Der Arzt Albert Schweitzer sprach z.B. von einem inneren Arzt, den jeder Mensch in sich berge).

Moderne Medizinmodelle berücksichtigen heute biologische, psychologische und soziale Faktoren bei Krankheits- als auch beim Heilungsgeschehen.

Es gibt eine Wissenschaftsrichtung, die Psychoneuro-immunologie, die sich seit den 80ern mit den Wechsel-wirkungen zwischen Nervensystem, Hormonsystem und Immunsystem beschäftigt. Sie untersucht auch wie Gedanken, Stimmungen und Gefühle sich auf das Immunsystem auswirken und umgekehrt. Warum z.B. Wunden unter Stress schlechter heilen oder warum optimistische Aidskranke länger leben. Die Selbstheilungs-kräfte scheinen durch eine positive Lebenseinstellung eher gefördert zu werden, während Hoffnungslosigkeit und das Gefühl, ein Opfer der Umstände zu sein, die Abwehrkräfte schwächen kann.

Schon der Volksmund weiß beispielsweise über Zusam-menhänge zwischen Gefühlen und Gesundheit: "Lachen ist die beste Medizin", "Kummer macht krank" oder Umgangs-sprachliche Wendungen: Schiß haben, Gänsehaut, über die Leber kriechen, die Haare sträuben sich oder Gefühle laufen den Rücken herunter.

Die Frage wie Gesundheit entsteht - auch unter belast-enden Lebensbedingungen hat sich auch der amerikanisch-israelische Medizinsoziologe und Stressforscher Aaron Antonovski gestellt. Er erfand das Salutogenese Modell. (wörtlich übersetzt: die Lehre von der Entstehung der Gesundheit).

In dem Wissen, dass keiner verhindern kann, dass ihm im Laufe des Leben auch Trauriges, manchmal auch Tragisches widerfahren kann, fand Antonovski heraus, dass bestimmte Fähigkeiten dabei helfen mit Belastungen leichter umzugehen:

· Die Fähigkeit, Zusammenhänge des Lebens
zu verstehen
· Die Überzeugung, dass man das eigene Leben aktiv
gestalten kann
· Die Fähigkeit, seinem Leben einen Sinn zu geben.

Es macht also einen Unterschied, ob wir das Leben für ein zufälliges und gefährliches Unternehmen halten, dem man sich ausgeliefert fühlt oder sich dem Lebensfluss anvertraut und das eigene Leben als stimmig - mit all seinem Auf und Ab - zu mir passend erleben kann.

Die Fähigkeit in dieser Weise optimistisch zu sein, ist zwar zunächst "nur eine subjektive" Stärke, die aber objektive Tatsachen im Körper schaffen kann.

In der Salutogenese wird zudem nicht der Leidensweg einer Krankheit betont. Sondern das Symptom wird als Sprache des Körpers verstanden, z.B. Kopfschmerzen als Hinweis, dass wir irgendetwas neues beachten sollten.

Lassen sie sich anstecken von der Idee, dass ein Ursprung von Gesundheit in ihnen existiert, dass von ihm aus vielfältigste Impulse und Selbstheilungsvorgänge sowohl in der Seele als auch im Körper ausgehen, und dass es vor allem in ihren Händen liegt, an ihrem Gesundsein mitverantwortlich tätig zu sein.